Geschichtliches:


Gast: Ursprünglich Fremdling; war als Nichteinheimischer rechtlos, stand auch später unter dem minder günstigen Gästerecht und war bei dem dürftig entwickelten Gasthauswesen und der Unsicherheit des Reisens auf Gastfreundschaft angewiesen; heute der vorübergehend Anwesende; der im Hause Aufgenommene. (Herderlexikon 1950)

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts haben meine Vofahren Gästen eine Unterkunft geboten und sie bewirtet. Am 28.07.1849 wurde mein Urgroßonkel, der Gastwirt und Notar Lambert Cramer (Sohn des Advokaten Theodor Anton Cramer und seiner Frau Thekla, geb. Lücken) Postspediteur in Werlte. Die Räume für den Postbetrieb befanden sich im Hause des Gastwirts und Notars.

Ziemlich bald gab es Postverbindungen zwischen Werlte-Sögel-Meppen, Werlte-Lathen, Werlte-Lorup, Werlte-Lastrup usw., so dass sich dadurch für die Werlter und die in den anderen Ortschaften sesshaften Kaufleute Geschäftsverbindungen entwickelten. Auf den Strecken verkehrten 6-sitzigen Postkutschen (Pferdeomnibusse), und schon bald gab es Reisende, die in der Postkutsche mitfuhren und unter anderem im Hause Cramer übernachteten. Als Betreiber der Poststation war es notwendig, Reisenden Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten und sie zu verköstigen.

Nach dem Tode des Lambert Cramer wurde am 01.08.1862 dessen Bruder, mein Urgroßvater Hermann Rudolf, als Postspediteur vereidigt. Mittlerweile gab es im Bezirk Osnabrück zwei Postämter und etwa 50 Postexpeditionen I. und II. Klasse. Am 01.01. 1876 wurde die Expedition Werlte zu einem Kaiserlichen Postamt III. Klasse erhoben. Diese vielen Postexpeditionen ermöglichten natürlich auch das Reisen und förderten den ´Tourismus´.

Am 31.07.1890 schied Hermann Cramer aus dem Postdienst aus und sein Schwager Johannes Hoffmann übernahm am 01.08.1890 die Leitung des Postamtes. Das Postamt wurde nun aus dem mittlerweile zu einem Hotel- und Gaststättenbetrieb ausgebauten Haus in das danebenstehende Cramersche Haus verlegt.

Nach dem Tod von Hermann Cramer am 19.11.1901 führte zunächst seine Frau, die Witwe Anna Cramer, geb. Schmidts, das Hotel weiter bis der Sohn Hermann Cramer und seine Frau Wilhelmine, geb. Schludde, den Hotelbetrieb übernahmen.

In den Jahren 1949/50 wurde das Haus umgebaut und es entstand der jetzige Gastraum mit der schönen Holzvertäfelung und dem Kamin. Der Hotelbetrieb wurde ab 1950 von Hermann Cramer (Sohn der Eheleute Hermann Cramer und dessen Frau Wilhelmine) und seiner Frau Maria, geb. Gardewin, bis 1984 weitergeführt. Von 1984 bis 2004 war das Hotel Cramer nicht in Betrieb.

Seit dem 15.08.2004 wird das Haus Cramer in der 5. Generation nach viermonatigen Umbauarbeiten als ´bed & breakfast´ von Annegret Cramer (Tochter der Eheleute Hermann und Maria Cramer) weitergeführt.